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Mythos SAP Cloud: Verliere ich meinen Wettbewerbsvorteil?

Zwei Ängste, ein Ursprung

Diese Sorge höre ich in Kundengesprächen fast immer in zwei Varianten gleichzeitig – und beide hängen enger zusammen, als man zunächst denkt. Warum ich beide für berechtigt, aber lösbar halte, erkläre ich in diesem Beitrag.

Der Fachbereich ist Herr seiner Prozesse. Viele SAP-Kunden haben über Jahre eigene Prozesse entwickelt und wollen diese natürlich weiter nutzen. Wenn dann das Stichwort Public Cloud fällt und man immer wieder „100 % Standard, Clean Core“ hört, entsteht schnell die Angst, nicht mehr Herr der eigenen Prozesse zu sein und Dinge nicht mehr so leicht anpassen zu können. Dem ist aber nicht so: In der Public Cloud gibt es weiterhin Möglichkeiten des Customizings. Bei kundeneigener Entwicklung gibt es allerdings tatsächlich Abhängigkeiten und Einschränkungen – das stimmt.

 

Die zweite Sorge liegt tiefer: Man gibt das eigene SAP-System aus dem Haus in eine Public Cloud und wird damit von einem Anbieter abhängig – man kann nicht mehr einfach entscheiden „wir wollen wechseln“ oder „diesen Service brauchen wir nicht mehr“. Und weil in der Public Cloud alle Unternehmen dieselben Standardprozesse nutzen, fürchten viele Kunden, genau den Wettbewerbsvorteil zu verlieren, den sie sich über Jahre durch angepasste Geschäftsprozesse erarbeitet haben. Dazu kommt ein gewisses Gefühl von Machtverlust: Man ist nicht mehr Herr der Software, sondern SAP gibt Release-Zyklen vor, statt dass das Unternehmen selbst über seine Wartungszyklen entscheidet.

Von der Vermutung zu den Fakten

Die Frage „Wie funktioniert das eigentlich?“ ist meines Erachtens sehr unpräzise – da kann man alles hineininterpretieren, und das führt beim Kunden oft zu pauschalen Ablehnungen. Deshalb lohnt es sich, genau hinzusehen: Was bringt die SAP Public Cloud, und was verliere ich gegenüber meinem Altsystem wirklich?

 

Genau hier hilft ein Konzept, das viele unterschätzen: Scope Items. Jedes davon beschreibt einen End-to-End-Prozess ganz konkret – welche Stammdaten verwendet werden, wie der Ablauf funktioniert und was am Ende dabei herauskommt. Damit kommt man weg vom bloßen Gefühl und hin zu Fakten. Und selbst wenn ein Scope Item nur 80 % des heutigen Prozesses abdeckt, ist es ein standardisierter Prozess, den Hunderte oder Tausende SAP-Kunden nutzen – erprobt und robust. Für die restlichen 20 %, die der Standard nicht abdeckt, bietet die SAP Business Technology Platform echte Optionen: eigene Fiori-Apps, Side-by-Side-Extensions oder die Anbindung externer Systeme. Man ist an dieser Stelle wirklich flexibel und nicht so eingebunden, wie das Gerücht oft nahelegt.

 

Und man bekommt last but not least eine ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung: Das Lizenzmodell der Public Cloud orientiert sich an der tatsächlichen Prozessnutzung, sodass sich Lizenzkosten direkt aus der Anzahl der Nutzer je Prozess ableiten lassen.

Wie ich das mit einem Fit-to-Standard-Workshop konkret angehe

Wir analysieren Fit-to-Standard bei AKQUINET zusammen mit unserem Partner West Trax. Deren Tool, der KPI Analyzer, wird als kleines Programm auf dem bestehenden SAP-System installiert und wertet Nutzungsdaten aus – welche Transaktionen und Reports tatsächlich aufgerufen werden. Diese Daten stellen wir den Scope Items der SAP Public Cloud gegenüber und erhalten so eine belastbare Einschätzung, wie nah das eigene System bereits am Public-Cloud-Standard liegt.

 

Zeigt sich ein hoher Standardisierungsgrad, kann das durchaus bedeuten: Public-Cloud-ready, ohne dass es viele kundeneigene Entwicklungen gäbe. An dieser Stelle bringen unsere erfahrenen Berater dann noch einmal ihre langjährige Praxis ein und schauen gezielt nach, ob eine vermeintlich fehlende Funktionalität nicht schlicht in einer anderen Fiori-App bereits abgebildet ist. So lässt sich der Übereinstimmungsgrad meist noch weiter erhöhen. Am Ende bekommt man ein gutes Gespür dafür, ob das eigene System Public-Cloud-ready ist oder ob eine Private Cloud die passendere Wahl wäre. Das Tool unterstützt uns außerdem direkt in den Fit-to-Standard-Workshops mit den Fachbereichen. Manchmal zeigt sich dabei sogar: Wird ein Prozess organisatorisch leicht anders aufgestellt, deckt der Standard ihn zu 100 % ab.

Und wenn es wirklich nicht passt?

Das ist der kritische Punkt, an dem ich ehrlich sein muss: Manche Geschäftsprozesse sind über Jahre oder Jahrzehnte so speziell auf ein Unternehmen zugeschnitten worden – etwa in der Produktionssteuerung mit einer Realtime-Anbindung und minimalen Latenzzeiten, um Produktionsausfälle zu vermeiden –, dass der Standard sie schlicht nicht abbilden kann. Dann arbeite ich gemeinsam mit dem Fachbereich heraus, was der Standard leistet und was nicht, und prüfe, ob eine hybride Lösung oder eine Erweiterung auf der BTP den Prozess doch noch in eine Public-Cloud-Landschaft integrieren kann. Reicht das nicht, kann so ein Prozess tatsächlich zum KO-Kriterium für die Public Cloud werden.

 

Genau das hatten wir erst vor Kurzem bei einem Kunden: Wichtige Unternehmensprozesse ließen sich über die SAP Public Cloud nicht zu 100 % abbilden, und der Kunde hat sich am Ende bewusst für die Private Cloud entschieden. Diese Ehrlichkeit ist mir wichtig – ich will niemandem eine Lösung aufzwingen, sondern an dieser Stelle wirklich Trusted Advisor sein.

Warum ich lieber ehrlich bin als zu verkaufen

Viele Anbieter fokussieren stark auf Technologie und Features und vermitteln dem Kunden ein „One Size Fits All“-Gefühl mit entsprechend hoher Erwartungshaltung – die sich dann oft nicht erfüllt. Bei AKQUINET stehen für mich der Mensch und die Prozesse im Fokus; die Cloud ist dabei nur das Werkzeug und Fundament, mit dem gearbeitet wird. Wenn ein Geschäftsprozess nicht zu 100 % abgebildet werden kann, höre ich bei anderen Anbietern oft vage Formulierungen wie „das justieren wir dann schon irgendwie“. Wir benennen die Dinge stattdessen transparent beim Namen, analysieren den konkreten Prozess und geben einen gezielten Lösungsvorschlag – etwa eine BTP-Erweiterung, eine kundeneigene Fiori-App oder eine Side-by-Side-Extension.

 

Ein Grund für diesen Unterschied: SAP stellt die Mainstream-Maintenance für SAP ECC 6.0 zum Ende 2027 ein, eine kostenpflichtige Extended Maintenance ist danach nur noch bis Ende 2030 möglich. Das erzeugt bei Kunden verständlichen Druck, jetzt zu handeln – und manche Anbieter nutzen genau diesen Druck, um Lösungen zu verkaufen, gerade wenn sie dafür Provisionen erhalten. Wir wollen an dieser Stelle Trusted Advisor sein und nicht jemand, der dem Kunden eine neue Software aufdrängt. Wir reden mit dem Kunden auf Augenhöhe und begleiten ihn gemeinsam auf dem Weg – ohne ihm eine Lösung ins Haus zu stellen, mit der er später nicht zurechtkommt.

Fazit

Gerade unsere Kunden im Mittelstand, aber auch größere Unternehmen, haben mittlerweile ein gutes Gespür dafür entwickelt, ob ein Beratungshaus Marketing-Sprech betreibt oder offen und ehrlich kommuniziert. Genau dieses Vertrauen und diese Berechenbarkeit sind es, die eine Migration von der alten in die neue SAP-Welt reibungslos machen – partnerschaftlich, auf Augenhöhe und mit dem Ziel, dass der Kunde am Ende wirklich zufrieden ist.

 

Sie möchten wissen, wie nah Ihr SAP-System bereits am Public-Cloud-Standard liegt? Wir führen mit Ihnen gemeinsam einen Fit-to-Standard-Workshop durch und zeigen Ihnen ehrlich, was der Standard leistet – und wo eine gezielte Erweiterung auf der SAP BTP sinnvoll ist.