OpenAI, Copilot und der Trend zum „Chain-of-Thought“

Einleitung

In diesem Blogartikel stehen vor allem die neuesten Entwicklungen bei OpenAI (GPT-4.5, GPT-5), Microsoft 365 Copilot sowie der Trend zum sogenannten „Chain-of-Thought“ (CoT) im Mittelpunkt. Diese Themen sind gerade für Unternehmen und Entscheider*innen hochrelevant, da sie den KI-Einsatz im Geschäftsalltag nachhaltig prägen.

OpenAI: GPT-4.5 und GPT-5 in den Startlöchern

  1. GPT-4.5 als Zwischenstufe
    • Laut Sam Altman (CEO von OpenAI) wird GPT-4.5 in wenigen Wochen veröffentlicht. Es soll den Übergang zu GPT-5 vorbereiten und bereits erste Verbesserungen im Hinblick auf das Chain-of-Thought-Denken (CoT) bieten.
  2. GPT-5: Einheitliches Modell
    • GPT-5 folgt einige Monate später und will die bisherigen Untermodelle (z. B. O-Modelle für spezielles logisches Denken) vereinen. Ziel ist, dass Unternehmen nicht mehr aus einer Vielzahl von Modellen wählen müssen, sondern eine einheitliche Plattform zur Verfügung haben.
    • Sam Altman betont, dass es künftig einfacher werden soll: Keine komplizierte Modellselektion – stattdessen mehr Automatisierung und bessere Standardintelligenz für alle.
  3. Chain-of-Thought (CoT) verständlich erklärt
    • Unter Chain-of-Thought versteht man, dass das KI-Modell komplexe Fragestellungen intern Schritt für Schritt durchdenkt. Das ähnelt einem kurzen Brainstorming, bevor eine Antwort präsentiert wird.
    • Beispiel: Bei der Optimierung einer Lieferkette berücksichtigt eine CoT-fähige KI intern jeden Einzelschritt (Bestände, Transportkosten, Routen etc.), bevor sie einen Handlungsvorschlag liefert.

Microsoft 365 Copilot: Neuerungen im Januar 2025

Auch bei Microsoft schreitet die KI-Integration voran. Neben den bereits etablierten Copilot-Funktionen in Office-Programmen gibt es jetzt zahlreiche Updates, die vor allem für Unternehmen spannend sind.

  1. Copilot Chat und GPT Agents
    • Copilot Chat kostenlos für alle (mit Einschränkungen): Microsoft 365 Copilot Chat kann nun von vielen Anwender*innen im Web und in Teams genutzt werden – ähnlich wie man es von ChatGPT kennt.
    • Eigene Daten nur mit Lizenz: Wer auf firmeneigene Dokumente und Daten zugreifen möchte, benötigt entweder eine kostenpflichtige Copilot-Lizenz oder zahlt nach dem „Pay-as-you-go“-Prinzip für einzelne Abfragen.
    • Agents (GPT Agents): Diese Agenten stehen nun auch in Copilot zur Verfügung. Abfragen aus dem Web sind kostenfrei integriert; für den Zugriff auf unternehmenseigene Daten über Konnektoren ist dagegen eine kostenpflichtige Variante notwendig.
    • IT-Sicherheit & Datenschutz: Microsoft betont, dass unternehmensinterne Daten nicht zur Trainingsdatenerhebung genutzt werden. Das verringert Bedenken vieler Firmen, die ChatGPT bislang gesperrt hatten.
    • Einfaches Aktivieren: Copilot Chat kann in Teams als App hinzugefügt werden (in Teams unten links auf die drei Punkte klicken und nach „Copilot“ suchen).
  2. Prompts App: Vordefinierte Eingaben und Speicherfunktion
    • Prompts App: Eine neue Anwendung, in der sich vordefinierte Eingaben (Prompts) speichern, teilen und jederzeit wieder aufrufen lassen.
    • Aufruf in Teams: Die Prompts App kann in Teams aufgerufen werden, indem man dort (ebenso über die drei Punkte oder im App-Menü) nach „Prompts“ bzw. „Prompt“ sucht.
    • Die App befindet sich noch in der Rollout-Phase. Zukünftig soll sie das frühere „Copilot Lab“ bzw. den „Prompt-Katalog“ in einer klaren Oberfläche bündeln.
  3. Teams: Intelligente Zusammenfassungen für jede Gesprächsform
    • Meeting Notes jetzt auch in 1:1-Calls und Meet-Now-Funktion: Bisher fasste Copilot nur klassische Teams-Meetings zusammen. Nun gibt es KI-basierte Protokollierung und Aufgabenliste auch bei spontanen Anrufen oder Zweier-Meetings.
    • Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf der Microsoft-Roadmap weiterführende Informationen zu geplanten Verbesserungen in Teams.
  4. Word & PowerPoint: Verbesserte KI-Integration
    • Markierte Textabschnitte bearbeiten: In Word können nun explizit einzelne Absätze markiert und mit Copilot über den rechten Chatbereich umgeschrieben, gekürzt oder verlängert werden.
    • Vorlesen von Antworten: Antworten des Copilot lassen sich jetzt in Word und PowerPoint vorlesen – ein Schritt in Richtung barrierefreier KI-Interaktion.
    • Bilderkennung: Hochgeladene Fotos (z. B. Whiteboard-Schnappschüsse) können analysiert und per Copilot in Text umgewandelt werden.
      „Narrative Builder“ in PowerPoint: Dieses Feature erlaubt das Erstellen oder Umwandeln von Präsentationen, z. B. aus Word- oder PDF-Dokumenten. Bis zu 40.000 Wörter und ca. 150 Folienseiten können zusammengefasst werden – ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den früheren Größenbeschränkungen.
  5. Excel: Smarte Datenbereinigung und Mustererkennung
    1. Clean Data: Copilot erkennt inkonsistente Einträge (z. B. unterschiedlich geschriebene Produktnamen) und schlägt Korrekturen vor.
    2. Formelvorschläge: Beim Anlegen oder Kopieren von Formeln erkennt Copilot selbstständig Muster und fragt, ob diese auf andere Zellen übertragen werden sollen.
    3. Neuer Copilot-Button: Ein kleines Copilot-Symbol erscheint bei Zellen, über das sich direkt Funktionen aufrufen lassen.
  6. OneNote & Outlook: Mehr Plattformunterstützung
    • OneNote auf Mac und iPad: Copilot steht nun auch Apple-Anwender*innen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es „Schnellaktionen“ per Button.
    • Outlook:
      • Sätze gezielt umschreiben (kürzer, formeller, prägnanter), ohne gleich den ganzen Text zu verändern.
      • Verbesserte Priorisierung (Roadmap): Demnächst soll Copilot E-Mails nach Wichtigkeit sortieren und dabei Spam oder Standardmails niedriger einstufen.
      • Freigegebene Postfächer: Gemeinsam genutzte bzw. delegierte Mailboxen sollen Copilot ebenfalls nutzen können.
  7. Spracheingabe im Anmarsch
    • Microsoft hat angekündigt, dass sich Prompts bald per Sprache eingeben lassen („Hören-Button“). Damit soll die Interaktion mit Copilot noch natürlicher werden.

Warum diese Entwicklungen wichtig sind

  1. Tiefergehendes KI-Verständnis (CoT): Durch das Chain-of-Thought-Denken liefern Modelle wie GPT-4.5 (bald GPT-5) und auch Microsoft Copilot stabilere und fundiertere Antworten.
  2. Praktische Integration: Unternehmen können die neuen Tools nicht nur für einfache Chatfunktionen, sondern auch für Datenanalysen, Präsentationen oder automatisierte Abläufe in Office-Programmen nutzen.
  3. Skalierbarkeit: Dank modularer Lizenzen (z. B. „Pay as you go“ bei Microsoft 365 Copilot) lässt sich KI passgenau implementieren – vom kleinen Teamprojekt bis zur großen Unternehmenslösung.

Blick über den Tellerrand: Firefly & Grok 3

  • Adobe Firefly: Adobe öffnet seine generative KI-Plattform mittlerweile für Bild- und Videofunktionen in einer öffentlichen Betaphase. Diese Entwicklung zielt eher auf Marketing-/Kreativ-Teams, ist aber ein weiteres Indiz für die rasante Verbreitung generativer KI-Anwendungen.
  • Elon Musks Grok 3: Über X.ai arbeitet Elon Musk an einem KI-Modell, das angeblich riesige Rechenressourcen nutzt (bis zu 200 Mio. GPU-Stunden). Grok 3 soll in Kürze veröffentlicht werden und könnte – ähnlich wie GPT-4.5 – verstärkt auf Chain-of-Thought setzen und Halluzinationen reduzieren.