Beratungsansätze Migration
Ihr Weg zu SAP S/4HANA: Bewahren, neu denken – oder beides?
Ganz einfach:
jeder dieser drei Ansätze kann der richtige sein! Es kommt auf Ihre individuelle Ausgangssituation und Ihre strategischen Ziele an. Wollen Sie Ihr altes ERP System einfach nur migrieren, um dem bevorstehenden Wartungsende von SAP ECC zu begegnen?
Oder möchten Sie die Situation lieber nutzen, um sich grundlegend zu verändern (transformieren) und Ihr Geschäft agiler, flexibler und resilienter zu gestalten und ggf. auch signifikant zu innovieren? Aber vielleicht präferieren Sie ja sogar eine Mischung aus beiden genannten Ansätzen?
Wir vergleichen die drei gängigsten Ansätze – und zeigen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Ansätze haben und wofür sie jeweils geeignet sind.
Brownfield, Bluefield v.s. Greenfield
Was ist Brownfield?
Bei der System Conversion wird das bestehende SAP ECC-System in-place auf SAP S/4HANA konvertiert. Das gesamte Customizing, alle Stammdaten, Bewegungsdaten und historischen Transaktionen bleiben erhalten.
Der HANA-Datenbank-Footprint wird stark reduziert (Column-Store), veraltete Tabellen werden konsolidiert (z. B. ACDOCA ersetzt viele FI/CO-Tabellen). Kundenentwicklungen müssen auf S/4HANA-API-Konformität geprüft und angepasst werden.
Kerneigenschaft: „Lift & Adapt“ – technische Migration mit gezielter Anpassung bestehender Eigenentwicklungen.
VORTEILE
- Minimale Prozessunterbrechung – bestehende Prozesse laufen weiter
- Historische Daten vollständig verfügbar
- Niedriges Projektrisiko bei stabilen Prozessen
- Kürzere Projektlaufzeit vs. Greenfield
- Zusätzliche Customizing nur im erforderlichen Umfang – Siplification Item List
NACHTEILE
- Altlasten (veraltete Prozesse, Customizing, Ballast) bleiben erhalten
- Technische Schulden werden migriert, nicht beseitigt
- BAP-Entwicklungen müssen geprüft / angepasst werden
- wenig Impulse für Prozessoptimierung
- eingeschränkte Nutzung von S/4HANA Best Practices
IDEAL FÜR – Entscheidungskriterien
- Hohe Customizing-Tiefe mit klarer Geschäftsjustifikation
- Regulierte Branchen (Pharma, Chemie, Utilities) mit Audit-Anforderungen
- Enger Zeithorizont (< 18 Monate Projektlaufzeit erwünscht)
- Wenig Bereitschaft / Ressourcen für Prozess-Redesign
- Unternehmen mit stabiler, bewährter Prozesslandschaft
Was ist Bluefield?
Die Selective Data Migration (SDM) – auch Shell Conversion oder Bluefield genannt – verbindet technische System-Konvertierung mit selektivem Datentransfer. Ein „leeres“ S/4HANA-System wird aufgebaut (Greenfield-Konfiguration) und danach werden gezielt Daten aus dem ECC-System migriert.
Besonderheit: Nicht alle Daten müssen übernommen werden. Historische Belege, veraltete Stammdaten oder nicht mehr benötigte Buchungskreise können bewusst zurückgelassen oder archiviert werden. Die Datenmigration erfolgt transformiert – nicht 1:1.
Kerneigenschaft: Maximale Flexibilität – granulare Entscheidung pro Prozess/Bereich über Migrations-Scope.
VORTEILE
- Datenmigration selektiv – nur saubere, relevante Daten
- Prozessneugestaltung möglich (wie Greenfield)
- Historische Daten können archiviert/verfügbar bleiben
- Harmonisierung von Systemlandschaften („Consolidation“)
- Keine Übernahme von technischen Altlasten
NACHTEILE
- Höchste Migrationskomplexität – aufwändiges Mapping
- 3rd-Party-Tools meist zwingend erforderlich
- Aufwändige Datenvalidierung und Reconciliation
- Zwei parallele Systeme während der Migration
- Höhere Kosten als reines Brownfield
IDEAL FÜR – Entscheidungskriterien
- Konsolidierung mehrerer ECC-Systeme in ein S/4HANA
- Gezielte Datenbereinigung und Stammdaten-Harmonisierung
- Unterschiedliche Prozessreifegrade je Buchungskreis/Werk
- Carve-out/Merger: Nur Teile eines Systems übernehmen
- Unternehmen mit hohem Datenvolumen und Bereinigungsbedarf
Was ist Greenfield?
Bei einem Greenfield-Projekt wird SAP S/4HANA vollständig neu implementiert – auf Basis von SAP Best Practices (vorkonfigurierte Lösungshalte aus SAP Activate). Das bestehende ECC-System wird nicht konvertiert; stattdessen werden Stamm- und ausgewählte Bewegungsdaten migriert.
Dieser Ansatz erzwingt eine kritische Auseinanders mit bestehenden Geschäftsprozessen: Was war wirklich notwendig, was ist historisch gewachsen? Ziel ist maximale Standardnähe und Nutzung moderner S/4HANA-Capabilities.
Kerneigenschaft: „Clean Core“ – maximale Standardnähe, Extensibility via BTP.
VORTEILE
- Moderne, optimierte Prozesse nach SAP Best Practices
- „Clean Core“ – minimales ABAP-Customizing
- Volle Nutzung neuer S/4HANA Capabilities (Fiori, Embedded Analytics)
- Niedrige technische Schulden für die Zukunft
- Chance zur Prozessstandardisierung über Werke/Länder
NACHTEILE
- Höchste Projektkosten und -dauer
- Historische Daten nicht vollständig verfügbar
- Höherer Aufwand im Change-Management (OCM)
- Risiko: „Goldenes ECC in S/4 nachbauen“
- Intensive Fachbereichsbeteiligung erforderlich
IDEAL FÜR – Entscheidungskriterien
- Unternehmen mit stark veralteten/fragmentierten Prozessen
- Fusionen, Übernahmen, Spin-offs: Neue juristische Einheiten
- Internationales Rollout mit Standardisierungsanforderung
- Greenfield bei erstem SAP-Einsatz (z. B. nach M&A)
- Strategische Initiative: Clean Core & Cloud-Readiness
Ansprechpartner
José Iglesias
Partner
SAP Experte